From the Racetrack to the Road

This season's Black Magic: LMP1 Porsche 919 hybrid

This season’s Black Magic: LMP1 Porsche 919 hybrid

Modulare Baukastenstrategie hin oder her: Der Motor bleibt im Heck!

Uns geht es nicht in erster Linie um Volumina.“ Matthias Müller, der Vorstandsvorsitzende der Porsche AG, wird nicht müde, dies zu betonen. So auch bei der diesjährigen Jahrespressekonferenz. Worum es stattdessen geht? Um ein gesundes „betriebswirtschaftliches Ergebnis und um eine Kundenbasis, die für uns berechenbar ist und bleibt“. Das Ziel sei immer, absolutes Wachstum zu erzielen. Nicht nur das ist dieses Jahr gelungen. Nach Audi am Wochenanfang konnte auch Porsche innerhalb der Volkswagen-Familie ein neues Rekordergebnis verkünden, das bisher beste seiner Konzerngeschichte. Die Marge lag bei 16 Prozent und soll auch im laufenden Jahr die 15 Prozentmarke erreichen. Womit sich erneut bestätigt, dass Porsche einen erklecklichen Teil zum Umsatz im Volkswagenkonzern beiträgt.

Sustainability and Porsche Intelligent Performance

Der Sportwagenhersteller stellt sich von jeher rundum nachhaltig auf, ist nicht auf der Jagd nach kurzfristigen Erfolgsquoten. Das betrifft die Finanzpolitik – Stichwort Währungssicherung – genauso wie ein kontinuierliches sogenanntes „integriertes Porsche Prozessoptimierungsprogramm.“ Die Planung fürs Jahr im Einzelnen will Porsche nicht ausrollen, zumal man gerade erst März habe und die konjunkturelle und geopolitische Situation höchst volatil sei. Genau hier bezahle sich langfristiges Vorgehen. Um Planungssicherheit zu haben, betreibt die Porsche AG Währungssicherung, kann dadurch zwar nicht am ‚Doping für die Konjunktur‘ partizipieren, ausgelöst vom massiven Sturzflug des Euro, war andererseits aber auch gegen den Verfall des Rubel gefeit. „Wie sonst hätten wir gegen den Trend knapp 4.800 Autos in Russland verkaufen können?“

So viel an strategischen Zahlen aber war zu hören: Zwischen sieben und acht Prozent des Umsatzes müsse die Porsche AG jedes Jahr neu investieren, um die kostenintensiven gesetzlichen Anforderungen erfüllen und die Produktpalette weiter ausbauen zu können. Allein die strengen CO2 Auflagen schlügen pro Fahrzeug mit rund 2.000 Euro zu Buche. Eine neue Modellreihe zu installieren, allein der Aufbau dafür koste gut eine halbe Milliarde Euro.

Seventh Model Range

Und in der Tat kursiert schon längere Zeit das Gerücht um eine weitere, nämlich siebte Baureihe, welche „Ende dieser Dekade“ kommen soll. Wann genau dies sein wird, in welchem Segment und ob vielleicht gar als reines Elektromodell oder an welchem Standort es produziert werden soll, darüber hüllt sich das Unternehmen nach dem Motto „Reden ist Silber, Schweigen ist Gold“ in letzterem.

Im Rahmen der Baukastenstrategie fällt Porsche die Oberhoheit über den MSB und den MMB zu, also über den Modularen Standardantriebs-Baukasten und Modularen Mittelmotor Baukasten. Heißt das nun, dass alle Porsche zukünftig mit einem Mittelmotor unterwegs sind? Mitnichten! Müller betont klar und deutlich: „Der Motor des 911 bleibt im Heck.“ Man habe mit dem Mittelmotor für Boxster und Cayman eine gute Aufteilung der Modellpalette erreicht. Wenn der Motor eines 911, der eigens für besondere Erfordernisse im Rennsport ausgelegt wird, etwas anders platziert wird, sei das eine andere Geschichte. Und gebetsmühlenartig fügt Müller hinzu und man nimmt es ihm ohne Einschränkung ab: „Ein 911 bleibt ein 911.“ Mit diesem Versprechen hatte er seinerzeit sein Vorstandszimmer im denkmalgeschützten Backsteinbau in Zuffenhausen übernommen – auf dessen interne Modernisierung er noch immer warten muss. Auch das eine nachhaltige Strategie, die er locker verschmerzen können wird.

A propos 911: Noch im vierten Quartal wird die Produktaufwertung des Inbegriffs eines Sportwagens in Serie gehen. Vorgestellt wird das Facelift auf der IAA im September. Und auch der neue Alte wird die 52jährige Evolutionsgeschichte wieder mit deutlichen Verbesserungen, zum Beispiel in punkto weitere Emissionsreduzierung und weniger Gewicht, erfolgreich fortschreiben.

Reaching for the Championship

Le Mans, das berühmteste Langstreckenrennen der Welt, lag und liegt Müller besonders am Herzen. Man war angetreten mit dem Anspruch „mithalten“ zu können. Nach 16 Jahren Abstinenz ging es wirklich nicht ums Siegen. „Aber wenn man dann als Führender kurz vor dem Ziel ausgebremst wird, ist das schon bitter.“ Jetzt fiebert der Vorstandsvorsitzende zusammen mit allen Beteiligten dem diesjährigen Rennen an der Sarthe entgegen. Diesmal tritt Porsche sogar mit drei Teams, unter ihnen auch der Formel 1 Fahrer Nico Hülkenberg, und einem „noch besseren 919 Hybrid“ an. The heat is on. Schon Ende März kommt es zum Testrennen, zum WEC-Prolog, gegen Toyota und Audi in Paul Ricard in Südfrankreich.

Und in der Tat verrät Matthias Müller kein Geheimnis, wenn er verkündet, „dass wir dieses Mal schon gerne auf dem Siegerpodest stehen wollen.“ Doch es ist nicht Art for Art’s Sake, es geht nicht um Siegen um des Siegens willen. Vielmehr kommen die Erfahrungen und Erkenntnisse „aus dem rasenden Hightech Labor des 919 Hybrid“ allen zukünftigen Porsche Fahrzeugen und damit den Kunden zu Gute. Heute lautet das Gebot der Stunde mehr denn je: Von der Strecke auf die Straße. Und damit thematisiert der Vorstandsvorsitzende auch die Elektromobilität: „Für uns stellt sich nicht die Frage, ob ein reines Elektrofahrzeug mit einer Porsche-typischen Performance auf die Straße kommt, sondern wann werden wir mit einem solchen Fahrzeug unsere Kunden begeistern.“

Susanne Roeder

©roe

 

 

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